Der alternde König der Monarchie Hollandia - PONY KARPFEN ADLER

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Der alternde König der Monarchie Hollandia

Leseproben

"Sie hörten die große Wanduhr, die sich in einem grell orangenen Gehäuse befand, dreimal schlagen. Es war soweit. Der alte König und sein Hofstaat warteten im großen, pompösen Barocksaal. Bevor sie eingelassen wurden, rief der Zeremonienmeister jeden einzeln mit Namen auf und führte sie in den Saal. Dort bot sich ihnen ein imposanter Anblick. Sie befanden sich in einem fast sakralen Gewölbe mit mindestens 20 Meter hohen Decken, die von Fresken mit Märchenmotiven nur so überquollen. Von der Saaldecke hingen drei riesige Kronleuchter herab. Jeder mit 10.000 Kerzen bestückt. Riesige Ölgemälde hingen an den Wänden. Darauf waren Personen dargestellt, die die Brüder noch niemals vorher gesehen hatten. Logisch, denn es handelte sich um längst verstorbene Mitglieder der Königsfamilie. Zwischen den Bildern hingen ellenlange Stores aus reiner Seide und Brokat kunstvoll drapiert von der Decke. In fast allen Farben. Vorherrschend waren aber Aquamarinblau , Rubinrot, Giftgrün und Zitronengelb. Ach ja- Lilienlila hatten sie beinahe übersehen. Zusätzlich zu den Kronleuchtern erhellten noch jede Menge Kerzenhalter den Saal, die an freien Stellen der Seitenwände befestigt waren. Alle Fünf Meter stand ein livrierter Page mit erhobenem Kopf und ernster Miene. Am Kopfende des Saales führten drei Stufen zum Königsthron, der kunstvoll mit Blattgold verziert war. Darauf saß der alte König mit ernstem Blick und versteinerten Gesichtszügen. Jeder konnte merken, daß er schon lange nichts mehr zu lachen gehabt hatte. Er trug einen langen roten Brokatmantel, der mit Hermelinpelzen besetzt war. Auf dem Kopf saß seine goldene Krone mit eigentlich nur wenigen Zacken. Und keine fehlte bzw. war etwa abgebrochen. In der rechten Hand hielt er sein Zepter, in der linken den Reichsapfel. Die gesamte Regierungsmannschaft, aufgereiht nebeneinander, stand auf der Seite des Reichsapfels. Minister mit ihren Frauen, Beamte und Diplomaten. Keiner sagte ein Wort. Alle schwiegen verkniffen und starrten ins Leere. Man hörte noch nicht einmal ein leises Kichern ihrer Frauen. Aber alle waren prächtig und dem Anlass entsprechend herausgeputzt. Auf der Seite des Zepters standen die drei Töchter des alten Königs, die erlauchten Prinzessinnen. Sorgfältig in den schönsten Kleidern gewandet, die für besondere Festlichkeiten von flinken Schneiderinnen angefertigt werden konnten...

 
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